Bereits bei der Einreise nach Malaysia bekommen Sie einen ersten Eindruck der Gegensätze des Landes. Sanft schwebt das Flugzeug über ein tiefblaues bis smaragdgrünes Meer, dann über traumhafte, sattgrüne Palmenplantagen und kleine Dörfer; ein Paradies wie aus dem Bilderbuch. Doch dann setzt der Flieger auf dem hypermodernen internationalen Airport von Kuala Lumpur auf (das Gateway für die weitaus meisten Besucher), der Frankfurts Rhein-Main-Flughafen fast beschämend in den Schatten stellt. »Sind wir wirklich in einem Schwellenland?«, fragen sich viele Touristen ungläubig.
Auf dem Weg in die Hauptstadt, entweder mit der superschnellen S-Bahn (KLIA Ekspres) oder einem komfortablen Taxi, fährt man durch den Multimedia Super Corridor, Malaysias größtes Entwicklungsprojekt, das sich bis ins Zentrum Kuala Lumpurs zieht. Auf 50 km Länge und 15 km Breite entstehen hier mehrere Trabantenstädte und Industriezentren vernetzt durch ein phantastisch anmutendes System von Schnellstraßen. Das Riesenprojekt soll nach dem Willen der Regierung dazu beitragen, das Land bis spätestens 2020 zu einer Industrienation zu machen. Die auf dem Reißbrett geplante Stadt Putrajaya soll 2010 zum neuen Sitz der Bundesregierung (Malaysia ist eine Föderation von 13 Staaten) werden. Als Gartenstadt konzipiert und mit Gebäuden wie aus Tausendundeiner Nacht bestanden, entwickelt sich Putrajaya bereits jetzt zu einem beliebten Touristenziel. Besuchen Sie es. Sie werden aus dem Staunen nicht herauskommen!
Auch in anderer Hinsicht ist das Land bemerkenswert. Das Staatsoberhaupt, ein konstitutioneller Monarch, wird alle fünf Jahre aus der Mitte von neun Sultanen gewählt; das weltweit einzige System dieser Art. Die Geschicke des Landes und seiner 23,2 Mio. Bewohner werden aber von Premierminister Dr. Mahathir Mohamad geleitet, der treibenden Kraft hinter den Modernisierungen. Allerdings müssen dem Fortschritt auch Opfer gebracht werden. So stoßen Zwangsenteignungen und -umsiedlungen für die ehrgeizigen Projekte bei den Betroffenen auf wenig Verständnis. Und mit potenziell gefährlichen Rivalen macht der Premier angeblich kurzen Prozess: Der ehemalige Stellvertreter Mahathirs, Anwar Ibrahim, fiel vor einigen Jahren in Ungnade und wurde der »Sodomie und Korruption« bezichtigt. Heute sitzt er unschuldig hinter Gittern, beteuert nicht nur Anwar, sondern auch Amnesty International.
Trotz der vielen innenpolitischen Probleme hat Mahathir es aber zumindest geschafft, die vormals sporadisch aufflammenden Rassenunruhen im Vielvölkerstaat Malaysia größtenteils einzudämmen und die ethnischen Gruppen zu einem harmonischen Zusammenleben zu bewegen. Neben den Malaien, die etwas über die Hälfte der Bevölkerung stellen, sind in Malaysia nämlich auch viele Chinesen und Inder, sowie Minoritäten von Ureinwohnern wie den Kadazan, Padang und Orang Asli zu Hause. Sie alle leben verstreut in zwei grundverschiedenen Landesteilen, die durch 650 km Ozean voneinander getrennt sind.
Westmalaysia liegt auf einer 750 km langen Halbinsel, einem Ausläufer des südostasiatischen Festlands, die sich fast bis an den Äquator hinzieht und elf der 13 Bundesstaaten beherbergt. Dagegen belegt Ostmalaysia mit nur zwei Bundesstaaten, Sarawak und Sabah, das nördliche Drittel der Rieseninsel Borneo. Aufgrund dieser geografischen Besonderheit ist Verkehr zwischen beiden Landesteilen nur per Schiff oder Flugzeug möglich. Bei der Einreise in Ostmalaysia erfolgt erneut eine Passkontrolle.
Doch zunächst sind Sie ja in Kuala Lumpur. Als eines von zwei Bundesterritorien (das andere ist die Insel Labuan vor Borneos Küste) ist die Hauptstadt nicht Teil irgendeines Föderationsstaates. Kuala Lumpur ist eine unglaubliche Mischung aus Altem und Neuem. Phantastische Wolkenkratzer stehen neben historischen Gebäuden. In den klimatisierten Einkaufszentren wähnt man sich beinahe in Europa. Doch bei einem Spaziergang durch die kleinen Seitengassen oder über einen der zahlreichen Märkte erleben Sie den Zauber des Orients. In Chinatown dringt der Duft von Räucherstäbchen aus den Tempeln während Straßenverkäufer nebenan lautstark ihre Waren anpreisen. In stilvollen Hotels trifft man sich zum Fünf-Uhr-Tee (einem Relikt der britischen Kolonialzeit), oder man ersteht im klimatisierten Kaufhaus zu einem Bruchteil des europäischen Preises die neueste Digitalkamera. Diese Gegensätze werden Ihnen auf Ihrer Malaysia-Reise auf Schritt und Tritt begegnen, und vielleicht ist es gerade dieser Umstand, der das Land zu einem so verlockenden Urlaubsziel macht.
Neben Kuala Lumpur sind aber auch die meisten anderen Städte des Landes einen Besuch wert, und oftmals haben sie - wie z. B. Melaka oder George Town - eine lange Geschichte, was sich an einer Vielzahl von historischen Bauten zeigt. Lebendig werden die Städte jedoch durch Malaysias reizende Menschen. Höflich und zuvorkommend und Fremden gegenüber aufgeschlossen, bescheren die Malaysier Ihnen durch ihre Art eine weitere positive Urlaubserfahrung. Man sagt, Malaysier verfügten über 200 verschiedene Arten des Lächelns. Zumindest werden Sie davon einige Dutzend kennen lernen. Nutzen Sie die Gelegenheit, Bekanntschaften mit Malaysiern zu schließen, und entdecken Sie mit Hilfe Ihrer neuen Freunde einen weiteren Vorzug des Landes: das Essen. Essen ist ein gesellschaftliches Ereignis, zu dem erheiternde Konversation gehört. Die Fülle der Speisen ist ein Garant für ausreichend Gesprächsstoff. Ein anderes Thema sind Sie selbst. Ihre neuen Bekannten werden versuchen, auf charmante Weise so viel wie möglich über Sie zu erfahren. Europäer wirken auf Einheimische sehr exotisch!
Wenn Sie die Städte verlassen, werden Sie das letzte große Wunder des Landes entdecken: die tropische Natur mit ihrer ganzen Vielfalt an Flora und Fauna. Zwar ist Westmalaysia der am dichtesten besiedelte und am meisten entwickelte Landesteil, doch der Umkreis des Zentralgebirges, das die Halbinsel praktisch der Länge nach halbiert, beherbergt einige der schönsten Nationalparks - mit kristallklaren Flüssen und nahezu unberührten Regenwäldern.
Blendend weiße Strände und kleine Fischerdörfer (Kampongs) mit bunt bemalten Holzhäuschen finden sich an der Ostküste und auf den vielen vorgelagerten Inseln, deren Korallenbänke zum Tauchen einladen. Auch die Westküste hat mit den Inseln Penang und Langkawi entsprechendes zu bieten.
Das Naturgebiet schlechthin sind jedoch die Staaten Sarawak und Sabah, die beide verhältnismäßig wenig entwickelt sind. Hier befinden sich die weitläufigsten Regenwälder des Landes. Nachdem Borneo viele Jahrzehnte hindurch schwer unter legaler und illegaler Abholzung zu leiden hatte, erkannte die Regierung auch hier die Gefahr und dämmte das Baumschlagen strikt ein. Auf diese Weise wird der Lebensraum gefährdeter Tierarten und der hier siedelnden Ureinwohner, von denen viele noch in Langhausdörfern am Ufer der Flüsse wohnen, geschützt. Sie können die Dörfer im Rahmen organisierter Touren besuchen. Die Teilnehmerzahl ist beschränkt, denn man möchte keinen Massentourismus.
Eine riesige Anzahl von kleinen und kleinsten Inseln ist Borneo vorgelagert. Sie besitzen die schönsten Korallenriffe des Landes, die von Myriaden bunter Fische bewohnt werden. Ein Erlebnis ist auch das Besteigen von Sabahs Mount Kinabalu, Südostasiens höchstem Berg, mit seinen vielen einzigartigen Pflanzen. Und Sie können einen Abstecher in das winzige Sultanat Brunei machen, einem zwischen Sarawak und Sabah eingekeilten souveränen Staat mit nur 314 400 Einwohnern.
Malaysia ist ein Traumland am anderen Ende der Welt. Sicher werden auch Sie es bedauern, wenn Ihr Aufenthalt zu Ende geht. So viel gäbe es noch zu entdecken. Aber: Wer Malaysia den Rücken kehrt, wird irgendwann wiederkommen, sagen die Malaysier.