Failte go Eireann: Willkommen in Irland. Irland, das sind seine Menschen und Geschichten, seine Dörfer, Berge, Wälder und Flüsse, das Meer, Seen und Quellen, seine pubs und stores, große und kleine Steinhäuser. Irland, das sind Vergangenheit und Gegenwart, seine Politik, die Norden und Süden trennt.
Naturliebhaber zieht es schon lange nach Irland. Einsame Buchten, in denen nur das Gekreische der Seevögel und das Wellenrauschen die Ruhe unterbrechen, Dörfer von sprödem Charme, Küsten, an denen die Klippen steil in die Tiefe fallen. Bekanntschaften sind schnell geschlossen, denn die Iren, diese melancholisch-heiteren Geschichtenerzähler, sprechen jeden an. Standardthema ist das Wetter: »Isn't it a nice day?« hört man bei Regen und Sturm, auf sonnigen Höhen und in einsamen Tälern. Die Freude über die Schönheit ihres Landes verbergen sie nicht.
Das feuchtmilde irische Klima schuf eine unvergleichliche Landschaft. Rechts und links der holprigschmalen Straßen identifiziert man auf Anhieb die viel besungenen »forty shades of green«. Im lichten Schatten von Ahorn, Kiefer und jahrzehntealten Baumriesen blühen Azaleen und Rhododendren, wachsen Farne und Gräser. Fuchsienhecken säumen die Wege.
Failte go Eireann: Welcome to Ireland - die Landessprachen sind Gälisch und Englisch. Die Angaben darüber, wie viele Menschen heute noch in der Lage sind, die alte keltische Sprache Gälisch zu verstehen und zu sprechen, sind höchst unterschiedlich und bewegen sich zwischen fünf und zehn Prozent. Daneben existieren eine ganze Reihe unterschiedlicher Dialekte: Corkonisch wird zum Beispiel von den Corkonians, den Einwohnern Corks, der zweitgrößten Stadt des Landes, gesprochen. Und das Corkonische, so wird selbstbewusst dargelegt, ist verwurzelt mit dem Normannischen, dem Altfranzösischen und dem Englischen des Mittelalters.
Die Größe der irischen Städte ist eher bescheiden. Dublin, die Hauptstadt des Landes, zählt um die 650 000 Einwohner (nur mit den zahlreichen neuen Vorstädten und den umliegenden Kleinstädten kommt man auf die rund 1,45 Mio., die gern von den Bewohnern angegeben werden), Cork etwa 160 000, und Limerick, die drittgrößte Stadt, zählt nur noch 80 000Einwohner. Die Städte haben einen höchst eigenwilligen Charme. Sie besitzen - wie auch jedes Dorf - eine eigenständige Persönlichkeit, erst in zweiter Linie Schönheit. Der schnellste Weg, diese Persönlichkeit kennen zu lernen und zu entdecken, ist Nähe. Das heißt für Irland: spazieren gehen und schauen, was auf den Straßen passiert, wer sich mit wem trifft, wo und ab wann die Zeitung vom Straßenhändler verkauft wird.
Ferien in Irland, das läuft oftmals auf sportliche Betätigung hinaus. Die Iren lieben Golf und pitch and putt, eine Miniversion des Golfs. Über 300 Golfclubs werden auf der Grünen Insel gezählt, und man ist stolz darauf, dass sich im Umkreis von 30 km stets ein Areal findet. Die Plätze im Landesinneren bestechen durch ihre parkähnlichen Flächen, während die an der Küste atemraubende Ausblicke erlauben.
Neben Naturschönheiten finden Irlandreisende einen großen Reichtum an prähistorischen und mittelalterlichen Kulturschätzen, nämlich alte Kirchen, Druidensteine, aus der Bronzezeit stammende Grabkammern und Ruinen zahlloser Burgen aus der Normannenzeit. Zu den herausragenden prähistorischen Zeugnissen gehören Dun Aengus, ein Steinfort auf den Aran- Inseln, sowie eine Grabkammer, mehr als 5000 Jahre alt, in Newgrange in der Grafschaft Meath. Alljährlich am 21. Dezember offenbart sich hier ein bezauberndes Lichtspiel, wenn durch eine Öffnung Sonnenstrahlen in das Innere der Anlage fallen. Die frühe Christianisierung hinterließ ihre Spuren in Mönchszellen, Hochkreuzen, Rundtürmen und Klosteranlagen. Um 1000 n. Chr. entstand z. B. die Klostersiedlung in Glendalough (Grafschaft Wicklow). Erhalten sind jedoch nur der Chor und das Kirchenschiff. Aus dem 8. Jh. stammt das Gallarus Oratory, ein Gebetshaus auf der Dingle-Halbinsel.
An den schönsten Stellen des Landes erbauten britische Adlige vor weit mehr als 300 Jahren ihre mansion houses, herrschaftliche Landsitze, die im Lauf der Zeit mit der sie umgebenden Landschaft gleichsam zusammenwuchsen. Typisch sind ihre von Efeu und Wein umrankten Eingangsportale, ihre hohen Sprossenfenster, umrahmt von Stuck, ihre bruchsteingemauerten Stallungen und turmgekrönten Wächterhäuschen, ihre Wintergärten in viktorianischem Stil mit Mosaikfußböden und gusseisernen Verzierungen. Viele der Herrenhäuser, Burgen und Schlösser haben heute ihre Tore einem zahlenden Publikum geöffnet, dienen als Restaurants oder Hotels. Originalgetreu ist meist das Interieur: mannshohe offene Kamine, holzgetäfelte Bibliotheken, sanft geschwungene Freitreppen sowie mit Antiquitäten ausgestattete Zimmer.
Eine Reise nach Irland ist immer auch eine Reise mit einem anderen Zeitbegriff. »Als Gott die Zeit machte, hat er genug davon gemacht«, schreibt Heinrich Böll in seinem »Irischen Tagebuch«, was nichts anderes heißen soll, als dass sich auch Urlauber für gemächliches Reisen Zeit nehmen sollen. Zum Beispiel wenn der Schiffsverkehr auf eine kleine Insel erst am nächsten Tag wieder aufgenommen wird oder wenn es regnet und der geplante Ausflug ins Wasser fällt. Laut einer Anekdote, nach der ein Mexikaner einen Iren fragte, welches das irische Wort für mañana (morgen) sei, antwortete der Ire: »Wir kennen kein Wort, das solche Eile ausdrückt.«
Irland im Frühjahr: Das sind riesige blühende, wild wachsende Rhododendronbüsche, ausgedehnte Fuchsienhaine, sattgrün leuchtende Wiesen, Vogelkolonien an den Steilküsten, ein Zauber des Lichts, der sich jeder Beschreibung entzieht. Die Westküste Irlands lockt die meisten Besucher an. Im Süden beeindruckt der Ring of Kerry, eine atemraubend schöne Straße am Meer. Die Küste im mittleren Westen zeigt sich rau mit ihren Kliffen und Bergen aus Granit und Quarz. Im Osten gibt es sich lang hinziehende Dünenstrände und mit Heide bewachsene Hochplateaus. Der Nordwesten wiederum ist Gaeltacht-Gebiet; hier finden sich Hochmoore sowie ein Nationalpark inmitten einer unerschlossenen Bergwelt.
Irland ist wie eh und je der Inbegriff für saubere Luft, für unverdorbene Natur, für klares Wasser, für Gastfreundschaft und Herzlichkeit. Dennoch darf nichts darüber hinwegtäuschen, dass Irland eine Insel mit vielen Problemen ist. Das größte davon ist der Nordirlandkonflikt. Nach der Teilung des Landes (1921) waren die daraus resultierenden Schwierigkeiten vorherzusehen. Bis heute dauern die blutigen Unruhen in Nordirland an, und die Anschläge der IRA (Irish Republican Army) dehnten sich lange auf London und das europäische Festland aus. 1998 schien sich mit dem Karfreitagsabkommen, das für Nordirland Autonomie und im Gegenzug eine Entwaffnung der IRA vorsah, eine friedliche Lösung des Konflikts abzuzeichnen. 2001 wurde ein Friedensabkommen von Splittergruppen der IRA wieder gebrochen, von einer Stabilisierung der Lage kann nicht die Rede sein.
Von inneririschen Problemen erfahren Besucher nur am Rande. Weit gehend intakte dörfliche Gemeinschaften - in denen tatsächlich jeder jeden kennt und Anteil am anderen nimmt - und die sympathisch lebensbejahende Art der Iren rücken die dunklen Wolken in die Ferne.